CMORE Automotive arbeitet am Gehirn des Autos

Presseartikel Sindelfinger Zeitung 14.07.2017

Für das autonome Fahren müssen Fahrzeuge ihre Umgebung nicht nur erkennen, sondern auch verstehen, was sie sehen

Point Cloud Labeling

In der Auto-Branche ist praktisch täglich vom autonomen Fahren die Rede. Die Gesetze sind dafür noch nicht gemacht. Die Technik dazu entwickelt sich dagegen weiter. "Wir wir sind dabei, dem Bordcomputer beizubringen, wie er verstehen kann, was er sieht und wie er darauf reagieren muss", sagt Gregor Matenaer, Geschäftsführer der CMORE Automotive GmbH. Das Lindauer/Böblinger Unternehmen hat sich auf das Gehirn des selbstfahrenden Autos spezialisiert.

Radar und Sensoren bilden die Umgebung, die sie vom fahrenden Auto aus wahrnehmen, bisher nur zweidimensional ab. Um Abstände und Bewegungen von anderen Verkehrsteilnehmern richtig zu erkennen, ist jedoch ein dreidimensionales Verstehen notwendig. "Wir sind immer noch dabei, das Umfeld zu interpretieren", sagt Gregor Matenaer. Wie dringend das Thema für das autonome Fahren ist, lässt sich am Wachstum von CMORE in den letzten beiden Jahren ablesen. Zur Zentrale in Lindau und der Niederlassung in Böblingen gesellten sich Standorte in Frankfurt, München, Ingolstadt und Koblenz. Die Anzahl der Mitarbeiterin Deutschland stieg von 60 über 100 auf 160. Hinzu kommt ein neues Joint Venture in Indien zur Aufbereitung von Daten, die ein fahrendes Auto sammelt. Dort sind derzeit 300 Mitarbeiter,vornehmlich Informatiker und Ingenieure, beschäftigt. Bis zum Jahresende will Gregor Matenaer weitere 150 einstellen.

Das neue Öl

Zum 1. Mai 2017 hat die CMORE AutomotiveGmbH mit der C.IDS (CMORE Integrated DataSolutions) innerhalb des Unternehmens eine neue Geschäftseinheit geschaffen, die Dr. Matthias Zobel leitet. C.IDS befasst sich mit der Bearbeitung von bereits vorhandenen Daten aus der Objekterkennung und bearbeitet diese so, dass sie genutzt werden können.

Dr. Matthias Zobel: "Daten sind wertvoll. Manchmal heißt es etwas salopp, Daten sind das neue Öl. Wichtig ist aber, dass es sich um hochqualifizierte Daten handelt." Ein Bild besteht erst einmal nur aus Pixeln. Verwertbar würden diese erst, wenn man ihnen eine Bedeutung geben und sagen könne: "Das ist ein Auto, das ist ein Fahrradhelm und das ist ein Baum."So erzeuge man eine Grundwahrheit, aus der heraus man mit Hilfe von selbstlernenden Algorithmen dem Auto beibringen könne, wie die Welt aussieht.

Der nächste Schritt sei dann, menschliches Verhalten zu simulieren, damit das Auto lerne, selbstständig Situationen einzuschätzen. Schätzungen gehen davon aus, dass dazu 240 Millionen Kilometer an Daten eingefahren werden müssen. "Dann", prognostiziert Dr. Zobel, "steuert der Computer ein Auto genauso sicher wie ein Mensch." Karlheinz Reichert